Die Geschichte des Kraftwerk e.V.


Warum heißt der Verein Kraftwerk eigentlich Kraftwerk? – Diese Frage wird meist zuerst gestellt.

Zur Zeit der Wende und der Aufbruchstimmung wurden von Kulturinteressierten und jungen Leuten in Chemnitz Initiativen gegründet. Eng an wenige Personen gebunden, und nur erzählweise übermittelt, entstand ein Konzept, dass auf die Übernahme eines Hauses an der Chemnitztalstraße ausgerichtet war, genau gegenüber vom Kraftwerk. Dies soll zum Namen geführt haben. Warum das ursprüngliche Objekt für das Konzept gegenstandslos wurde, ist vermutlich der Tatsache geschuldet, dass sich im „Haus Einheit“ gute Bedingungen „zur Ansiedlung“ fanden.

Das Gebäude an der Zwickauer Straße 152 hat eine lange, traditionsreiche Geschichte. Um die Wende des vorigen Jahrhunderts wurde mit dem Beschluss von SPD und Gewerkschaften, ein „Volkshaus“ zu gründen, die bereits bestehende Gaststätte „Kollosseum“ erworben und weiter ausgebaut. Nach 1945 ging das Haus in das Eigentum der Stadt Karl-Marx-Stadt über, wurde von ihr und dem FDGB getragen sowie von der FDJ als Klub der Jugend und Sportler „Fritz Heckert“ genutzt. Ab 1990 wurde es von der Stadt als Kulturhaus mit dem Namen „Haus Einheit“ betrieben.

Die Konzeptidee unseres Vereines und die damit verbundenen Angebote waren von dem Leitgedanken geprägt, die Stadt zu beleben, Alternativen zu den Umständen kurz nach der Wende zu schaffen. Es sollte ein Ort sein, der Anlaufpunkt für Kinder, Jugendliche und Erwachsene ist, ein Ort der für alle Generationen die Möglichkeit bietet, an kulturellen und sozialen Angeboten und somit am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Das schloss ein, dass auch für materiell schlechter gestellte Menschen preiswerte kulturelle Angebote zur Verfügung stehen.

Hinter das Konzept „Kraftwerk“ stellten sich neben den Initiatoren, auch Vereinsspitzen und Initiativen, die Räumlichkeiten für ihre Aktivitäten im „Haus Einheit“ bekamen. Diese kommunale Einrichtung war bis Ende 1997 für die gesamte Objektverwaltung (das entsprach vier Fünfteln des Gesamtgebäudes, anderer Teil war Schulverwaltungsamt) sowie für Teile des kulturellen Angebots verantwortlich. Die Initiative Kraftwerk bestand aus 6 Einzelvereinen, die mit ihrem Gesamtkonzept das Praxisfeld „Soziokultur“ im „Haus Einheit“ etablieren wollten.

Von dieser Idee bis zur Vereinsgründung verging eine Umsetzungszeit von ca. einem Jahr. 1993 gründete sich aus der Initiative der Verein Kraftwerk als Dachverband der im Haus ansässigen Vereine und nahm damit die Funktion einer politischen Interessenvertretung gegenüber der Verwaltung, der Politik u.a. Gremien wahr. Kraftwerk verstand sich als basisdemokratischer Zusammenschluss gleichgesinnter Vereine. Das unterschiedliche Profil der Vereine offerierte eine vielfältige Angebotsstruktur. Daraus entwickelte sich vor Ort eine Vernetzung von gemeinsamen Projekten, die von den Organisatoren als soziokulturell mit der Option der sparten- und generationsübergreifenden Wirkung definiert waren. Jeder Verein unterbreitete gemäß seiner Satzung und seinem Profil entsprechende Angebote. Die in den Anfangsjahren bestehende inhaltliche Zusammenarbeit erreichte ihren Höhepunkt in Kooperationsprojekten der im Haus ansässigen Vereine mit Unterstützung der kommunal Beschäftigten des „Hauses Einheit“. So organisierte Kraftwerk e.V. die „Belebungsversuche“, ein dezentrales Festival, das neue Akzente in der Chemnitzer Kulturlandschaft setzte. Die Vielfalt der Aktivitäten und Angebote des Kraftwerk e.V. bewirkte eine überregionale Ausstrahlung und Bedeutung des Hauses, besonders für den Standort Chemnitz. Die ursprüngliche Funktion eines Dachverbandes wurde in der Folgezeit nach und nach obsolet. Einige Mitgliedsvereine des Kraftwerk e.V. stellten aufgrund interner Schwierigkeiten ihre Tätigkeit ein. Kraftwerk e.V. übernahm sukzessive die Inhalte dieser Träger. Kraftwerk verlor schrittweise seine ursprüngliche Funktion als Interessenvertretung Dritter und wurde gleichzeitig in immer stärkerem Maße selbst zum Träger von Inhalten und Angeboten. 1997 wurde dieser Prozess auf Beschluss der Mitgliederversammlung organisatorisch nachvollzogen. Seitdem ist Kraftwerk e.V. freier Träger mit neuer Satzung.

In diesen strukturändernden Jahren arbeitete Kraftwerk e.V. sehr eng mit der kommunalen Leitung zusammen. Folge war die Etablierung eines dualen Betreibermodells von Kommune und Verein, was u.a. zur Vermischung von Zuständigkeiten und Unklarheiten in der Außenvertretung des Hauses führte. Hinzu kamen hohe Kostenaufwände, die zum Beschluss der Stadt Chemnitz führten, den Betrieb der kommunalen Einrichtung unwiderruflich zum Ende des Jahres 1997 einzustellen. Einfluss schien auch das eingeleitete Restitutionsverfahren bzgl. der Eigentumsfrage der Immobilie zu haben. In dieser Phase trat die Stadt Chemnitz an den Vereinsvorstand mit dem Angebot der Trägerschaftsübernahme heran. Ab Januar 1998 übernahm Kraftwerk e.V. die Betreibung der Einrichtung, unter dessen Dach mehrere Vereine ihren Sitz hatten. Darüber hinaus unterbreitete Kraftwerk e.V.- wie in der Nutzungsvereinbarung mit der Stadt Chemnitz unterzeichnet – soziokulturelle Angebote für Interessierte.

Es folgten arbeitsintensive Jahre, in denen „das Kraftwerk“ an der Zwickauer Straße eine gute Adresse für junge Leute, Kulturinteressierte und selbst Aktive und ein zuverlässiger Partner für andere Vereine, Initiativen oder Institutionen war. 1998 erfolgte die Anerkennung als Träger der freien Jugendhilfe nach § 75 KJHG, was auch die Qualität der Kinder- und Jugendarbeit als Bereich der soziokulturellen Arbeit würdigt.

Diese fundierte und zuverlässige Arbeit des Vereines war wohl auch Grundlage dafür, dass die Stadt Chemnitz dem Verein zum zweiten Mal ein Haus zur Betreibung übertrug. Voraus gegangen war unser Antrag auf Übernahme des kommunalen „Hauses spektrum“. Zwei Gründe sprachen dafür: Das Kraftwerk, als Nicht-kommunales Objekt wurde immer sanierungsbedürftiger, die Kapazitäten eines Vereines diesbezüglich sind jedoch begrenzt. Das „Haus spektrum“ ist teilsaniert und bot noch Raum für Angebote. Es war also sinnhaft auch im Rahmen immer knapper werdender finanzieller Mittel die Übernahme zu beantragen.

Lt. Stadtratsbeschluss übernahm Kraftwerk e.V. am 1. Januar 2003 das Haus. Damit war der gesamte Leerzug aus dem alten Kraftwerk verbunden und der Einzug in das andere Haus. Diese Herausforderung hat der Verein mit verlässlichen Partnern und Freunden gemeistert.

Nun gibt es im Haus, das mehr und mehr zum Haus für alle Generationen wird, ein sehr breites Spektrum an Angeboten. Neben dem großen Bereich für Kinder und Jugendliche vom täglich geöffneten Klub bis zu spezifischen Angeboten wie Breakdance, Theater oder Brass-Band, haben auch alle Kraftwerks-Projekte und Kinderveranstaltungen bis zu unseren Senioren-Angeboten an der Kaßbergstraße 36 ihr Domizil.

Durch die Betreibungsaufgabe legt der Verein ebenfalls großes Augenmerk auf die Vermietung bzw. Zur-Verfügung-Stellung von Räumen für andere Vereine, Gruppen bis hin zu Privatpersonen. Das Haus und seine Angebote soll den ChemnitzerInnen aller Altersgruppen an sieben Tagen in der Woche offen stehen, Freude bereiten und zum aktiven Mittun anregen – das ist Zielstellung und Sinn unseres Tuns.